29. März 2020 | Pfarrbrief zum 5. Fastensonntag

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PFARRBRIEF

29. MÄRZ – FÜNFTER FASTENSONNTAG

Grüß Gott!

Mit dem wöchentlichen Pfarrbrief möchten wir Euch in dieser Zeit der Ausgangsbeschränkungen einen geistlichen Impuls, ein bestärkendes Gebet und aktuelle Informationen zukommen lassen.
Mit besten Wünschen für die neue Woche,

Pfarrer Johannes Freitag


IMPULS

Liebe Schwestern und Brüder in Christus!

Wir erleben gerade einen herausfordernden Umbruch, der in die Geschichtsbücher eingehen wird. Der heimtückische Erreger SARS-CoV-2 hält mittlerweile Menschen aller Kontinente in Schach. Kann uns der christliche Glaube in dieser Situation Hoffnung geben?

 Verlust an Kontrolle, Freiheit und Komfort

In diesen Tagen spielen sich in unserem Europa vielerorts verschiedenste Dramen ab – Berichte über schreckliche Folgen des Virus füllen die Zeitungen. Die allermeisten von uns haben Krisen dieses Ausmaßes noch nicht erlebt. Das neuartige Coronavirus zeigt uns wieder neu, dass wir nicht alles in der Hand haben. Die Ausgangsbeschränkungen begrenzen zudem unsere Freiheit. Die wirtschaftlichen Folgen der gesetzten Schutzmaßnahmen werden sich noch lange auf unseren Komfort auswirken.

Der Blick in die Menschheitsgeschichte lehrt uns, dass das alles nicht sonderlich neu ist. Immer wieder waren unsere Vorfahren herausgefordert, Krisen, Kriege und Seuchen zu bewältigen. Ebenso oft traten in diesen Zeiten der Bedrängnis jedoch auch große Persönlichkeiten vor den Vorhang, die gezeigt haben, dass die Liebe stärker sein kann als Angst, Selbstsucht und Verzweiflung. Sie sind gleichsam Leuchttürme, die uns Mut, Orientierung und Hoffnung geben können.

 Vorbilder christlicher Nächstenliebe

Der heilige Damian Deveuster (1840-1889) ist wohl einer dieser Großen der Geschichte. In den letzten Tagen musste ich oft an diesen gebürtigen Belgier denken. Der Missionar wurde dadurch bekannt, dass er sich 1873 auf die Insel Molokai schicken ließ, wo die Leprakranken isoliert wurden. Dort lebte und wirkte Damian den Rest seines Lebens als Seelsorger und Arzt, als Apostel der Aussätzigen. Seine selbstlose und liebevolle Hingabe an die Kranken wurde weltweit bekannt und anerkannt. Mahatma Gandhi bezeichnete Pater Damian als „einen Helden von Format“ und Mutter Teresa machte sich für seine Seligsprechung stark.

Eine weitere Zeugin des selbstlosen Einsatzes für die Aussätzigen ist Mutter Eugenia. Nachdem die Ordensfrau 1939 an der Elfenbeinküste Afrikas erstmals Leprakranken begegnete, die auf der Insel Desirée isoliert und alleingelassen waren, entschloss sie sich tatkräftig, ihnen eine eigene kleine Stadt am Festland zu bauen. Eugenia ermöglichte auf diese Weise vielen Kranken ein lebenswertes Umfeld. Dort konnten sie handwerklich tätig sein, ins Kino gehen, per Radio mit der Außenwelt in Verbindung bleiben und in einer Kirche gemeinsam beten. In Adzopé – so heißt die Stadt – wirkten zahlreiche geistliche Schwestern, die für ihren Einsatz die Corona Civica erhielten, die höchste Auszeichnung für soziale Werke in Frankreich.

Die Heiligen der Kranken im Heute

Und auch in der jüngsten Geschichte – in unseren Tagen – hören wir von Ärztinnen und Ärzten sowie Pflegerinnen und Pflegern, die unter derzeit schwierigsten Bedingungen für die italienischen COVID-19-Patienten da sind. Sie haben meinen aufrichtigen Respekt. Zu ihnen zählen auch Ordensleute, etwa die Kamillianerinnen, deren Dienstbereitschaft uns in unserem Einsatz bestärken kann: Neben den drei klassischen Ordensgelübden legen die Töchter des heiligen Kamillus als viertes Gelübde ab, dass sie
den Kranken dienen, auch auf Kosten ihres Lebens.

Bestimmt sind es heute viele Zeitgenossen, die nach ihren Möglichkeiten ähnlich handeln. Erst vor einigen Tagen wurde beispielsweise bekannt, dass der 72-jährige Priester Don Giuseppe Berardelli aus Casnigo/ITA sein Beatmungsgerät – und damit sein Leben – freiwillig einem jüngeren Erkrankten überließ. Die meisten leben ihre Selbstlosigkeit in Verborgenheit, ohne großes Aufsehen. Diese stillen Heiligen werden vielleicht nicht alle in die Geschichtsbücher eingehen, sehr wohl aber sind ihre Namen
in Gottes Hand geschrieben.

Im Glauben Halt finden – und geben

In der jüngsten Ausgabe des Sonntagsblattes hält der Psychiater und Theologe Manfred Lütz fest, dass Menschen Enormes verkraften können – oft sogar schwerste Traumata. Eine Hilfe zur Bewältigung des aktuellen Ausnahmezustands kann nach Lütz der Glaube sein, denn „als Christ glaube ich an einen gekreuzigten, an einen mitleidenden Gott, der gerade in der Krise bei uns ist.“ Ja, was könnte mir mehr Halt geben, als die gläubige Erfahrung eines Gottes, der uns bis in das Leid hinein nicht alleine lässt?
Der Blick auf das Kreuz Christi – dieses ist in der angebrochenen Passionszeit übrigens bis zum Karfreitag verhüllt – kann uns dabei immer wieder die Augen des Herzens öffnen.

Passend dazu begleiten wir im heutigen Sonntagsevangelium Jesus, den der Tod seines Freund Lazarus im Innersten trifft und ihn zu Tränen rührt. Ja, Jesus weint. Der Gottessohn ist da und weint angesichts unseres Leides – mein Kreuz ist ihm nicht egal. Ich kann auf Ihn bauen, Ihm vertrauen. Er ist mir nicht fern. Bitten wir Ihn vertrauensvoll, dass Er uns durch so manche düstere Verlusterfahrung führt! Eine Hilfe dazu kann uns das folgende Gebet von John Henry Newman sein. Bitten wir Jesus Christus, dass Er uns herausruft aus Ängsten und Todesschatten, so wie er einst den Lazarus aus seinem Grab rief: „Lazarus, komm heraus!“ Dann können auch wir jene Liebe und Kraft aufbringen, um uns für andere einzusetzen;
um auch unseren Mitmenschen Halt und Hoffnung zu geben.

Diakon Dominik Wagner


 

GEBET

 So lasst uns beten!

 Lead, Kindly Light

 Geh, liebes Licht, in diesem Dämmer vor mir her!
Führ Du mich ’raus

aus dieser dunklen Nacht.
Ich bin hier fremd. Führ mich nachhaus’!

Führ meinen Fuß, und führ ihn Schritt für Schritt.
Das ferne Ziel muss ich nicht sehn.
Doch Du, geh mit mir mit!

Ich war nicht immer so.
Nie hab ich je gebettelt, dass Du mich führst und lehrst.
Ich liebte eigne Wege. Wollte selber sehn.
Doch jetzt: geh Du voran! Geh vor mir her!
Ich liebte grelles Licht. Ich hatte Furcht, oft war mir bang.
Doch stärker war mein Stolz. Vergiss es.
Denk nicht mehr daran!

So lang hab ich von Deiner Kraft gelebt.
Da wird Dein Geist gewiss auch vor mir wehn,
wenn ich nach Moor und Sumpf und abgrundfinstrer Nacht
den Morgenstern kann sehn
und Engel mich anschauen und lächeln,
hell von jenem schönen Schimmer, den ich so sehr geliebt –
und eine Zeitlang doch vergaß, beinah’ für immer.

Derweil warst Du – Du selbst! –
dem engem schroffen Pfad gerade vor mir her gefolgt:
mein Retter Du!
Jetzt führ mich heim, nachhause wie ein Kind!
Zurück zu meinem Gott,
um endlich auszuruhn nach allem Erdenstreit
im leisen Licht lebendiger Unendlichkeit.

 Hl. John Henry Newman,

ins Dt. übertragen von Paul Badde

 

Hl. Damian Deveuster, Du Schutzpatron der Aussätzigen – Bitte für uns!


INFOS

Ostergruß per Post

In der kommenden Woche kommt per Post ein Ostergruß unseren Pfarrgemeinden in jeden Haushalt. Darin finden sich u.a. Gestaltungsvorschläge für die Feier der Heiligen Woche 2020 in häuslicher Gemeinschaft.

Palmzweige am Palmsonntag

Zum Beginn der Heiligen Woche, am Palmsonntag, sind ab 9.00 Uhr geweihte Palmzweige bzw. kleine Palmbuschen in unseren Kirchen bereitgestellt. Herzlich laden wir ein, bei einem Kirchenbesuch diese Segenszeichen mitzunehmen und wenn möglich in den eigenen Palmbuschen einzubinden.

Wir laden zur persönlichen Einkehr in die Kirchen

Die Pfarrkirchen im Vordernbergertal stehen tagsüber offen – herzliche Einladung zum persönlichen Gebet und zum Verweilen!

Wir sind telefonisch erreichbar

 Das Seelsorgeteam ist telefonisch erreichbar. Sollten Sie irgendwelche Hilfestellungen oder Informationen brauchen – rufen Sie an!

Das eingerichtete Seelsorge(r)-Telefon (03847 2453) soll in den kommenden Tagen weiterhin die besondere Möglichkeit bieten, mit einem Seelsorger zu sprechen oder ein persönliches Anliegen anzuvertrauen. Wenn es Ihnen ein Bedürfnis ist, nutzen Sie dieses Angebot!

Wir beten stellvertretend für Euch

Täglich feiern wir, Pfarrer Johannes und Diakon Dominik, privat die Heilige Messe. Dabei nehmen wir alle Menschen unseres Pfarrverbandes stellvertretend mit hinein in das gemeinsame Gebet. Leider kann in diesem Jahr auch die Liturgie der Karwoche und das Fest der Auferstehung nur stellvertretend gefeiert werden.
Ihr fehlt uns sehr, seid aber trotzdem nahe!

Tagesimpulse auf Radio Grün-Weiß

Pfarrer Johannes Freitag begleitet Sie in den kommenden Wochen mit kurzen Tagesimpulsen auf Radio Grün-Weiß – täglich zu hören bis Ostermontag zwischen 7.00 und 7.30 Uhr.

Beachtenswerte Papstpredigt vom Freitag

Papst Franziskus hielt am vergangenen Freitagabend vor dem leeren Petersplatz eine hörenswerte Ansprache. Sie war Teil einer Feier, die mit einem außerordentlichen Segen „Urbi et Orbi“ endete, als Zeichen der Hoffnung inmitten der globalen Corona-Pandemie.

#TeamNächstenliebe Steiermark

Helfen und Hilfe finden beim #TeamNächstenliebe der steirischen Caritas. Halten wir zusammen!


 

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